WIE BAUCHGEFÜHLE EINE GUTE MEDIZINISCHE ENTSCHEIDUNG
UNTERSTÜTZEN

Faustregeln sind kurze, prägnante Merksätze, mit denen wir unsere intuitiven Gefühlseinschätzungen für eine gute Entscheidungsfindung nutzbar machen. Sie basieren auf unserer umfassenden Lebenserfahrung. Faustregeln sind besonders sinnvoll für medizinische Entscheidungen, deren Nutzen oder auch Nebenwirkungen häufig nicht eindeutig und offen vor uns liegen. In solchen Fällen können die intuitive Bewertung der Arztpersönlichkeit, der Eindruck, den wir in der Praxis oder im Krankenhaus bekommen, und viele andere oft unbewusst registrierte Beobachtungen wegweisend für eine gute Entscheidung sein. Im Folgenden sind Faustregeln aufgelistet wie ich sie selbst in meinem Buch „Gebrauchsanweisung für Ihren Arzt“ formuliert habe und vor allem die Faustregeln, die Leser selbst formuliert haben, um sie anderen zur Verfügung zu stellen.


„Wann entscheide ich besser nach Intuition, wann nach Studienlage?“

  • Je unklarer der Nutzen der Therapie nach dem Abarbeiten der Checkliste erscheint, desto eher sollte ich meiner intuitiven Einschätzung folgen.
  • Gibt es keinen klaren Beleg für einen Therapienutzen, und sprechen meine eigenen Bauchgefühle dagegen, dann ist es ganz und gar nicht unvernünftig, eine Therapie abzulehnen.


„Wann vertraue ich besser auf die Erfahrung des Arztes, wann braucht man Studien ?“

  • Je weiter der Nutzen einer Behandlung in der Zukunft liegt und je kleiner der Nutzen ist, desto mehr zählen gute Studien und weniger die persönliche Einschätzung des Arztes.
  • Je unmittelbarer die Therapie wirken soll und je größer der Nutzen ist, den ich zu erwarten habe, desto eher kann ich mich auf die persönliche Einschätzung des Arztes verlassen.


„Wie kann ich herausfinden, ob ein Arzt mich kompetent berät?“

  • Bei einem Arzt, der sachlichen Fragen ausweicht, laufe ich Gefahr, wirklichkeitsfremd behandelt zu werden.
  • Kann der Arzt meine Checklistenfragen nicht beantworten, dann weiß er nicht, ob ein Nutzen wirklich wissenschaftlich belegt ist.
  • Ein Arzt, der den Unterschied von relativen und absoluten Zahlen kennt, weiß, dass bei vielen Therapieempfehlungen getrickst wird.
  • Ein Arzt, der mich aufklärt, dass der Nutzen sehr vieler etablierter Therapien unklar ist, handelt nicht unsicher sondern realistisch. Dies senkt das Risiko übertherapiert zu werden erheblich.


„Was bringt mir die Alternativmedizin?“

  • Geht es mir durch die Therapie dauerhaft besser, macht der Heiler etwas richtig (oder zumindest nichts falsch).
  • Teure alternative Therapien beweisen die Geschäftstüchtigkeit des Behandlers, aber nicht den Patientennutzen.


„Wo finde ich vor schwerwiegenden Behandlungen weitere Entscheidungshilfen?“

  • Vor Behandlungen mit möglicherweise schweren Nebenwirkungen suche ich Patienten, die nicht erst kürzlich, sondern bereits vor längerer Zeit damit therapiert wurden, und frage sie nach ihrer Erfahrung.
  • Geht es um eine schwerwiegende Maßnahme, ist es auf jeden Fall sinnvoll, die Zweitmeinung eines weiteren erfahrenen Arztes einzuholen.

 

Die wichtigste Faustregel:

  • In unklaren Situationen frage ich meinen Arzt, was er seiner eigenen Familie empfehlen würde.